Reisebericht

Kalifornien. Ein Bericht von dort, wo ich leben möchte.

Es ist Donnerstag, 18.2.2016 und ich überlege bereits auf dem Weg hierher welchen Beitrag ich als erstes verfasse. Wohl wissend, dass noch der Beitrag #walkingingretelsshoes aus Old Habana aussteht, entschließe ich mich trotzdem dazu, erst einmal diesen Beitrag zu verfassen. Es fällt mir leichter, über aktuelle Themen zu schreiben als über die, die schon einige Zeit zurückliegen. Wahrscheinlich ist das normal und bedarf einfach etwas mehr Übung und Disziplin. Um also nicht auch noch mit dem zweiten Beitrag in Verzug zu geraten, ziehe ich Kalifornien jetzt vor.

Kalifornien. Los Angeles.

#lovemyjob

Nach ekeligem Wetter in New York, begrüßt mich der Sonnenstaat mit einer ordentlichen Portion gutem Wetter und angenehmen Temperaturen um 20 Grad. Nachdem die Einreise in die USA ja bereits in JFK erfolgte, geht es in LAX ganz flott. Ich kann also direkt durchstarten und meinen Mietwagen abholen.

Bei Alamo angekommen, führe ich den Check-In am Automaten durch, da bereits zu viele Gäste am Schalter warten. Das klappt soweit gut, der Automat spuckt schmatzend die Papiere aus und ich marschiere auf den Hof um mein Fahrzeug auszuwählen. Wer die Wahl hat, hat die Qual sagt man. Keine Frage. Ich nehme den Jeep. Brandnew wie der Ami sagt, im Januar 2016 vom Band gelaufen. Trotz der Größe effizient und sind wir mal ehrlich, wenn ich schon einmal die Chance habe meinen Traumwagen zu fahren… Why not! Die nächsten 10 Tage werden wir einige Abenteuer zusammen erleben, da bin ich sicher. Sicher deswegen, weil ich von L.A. nach San Francisco mit diesem Jeep fahren werde. Montag geht es los. Bis dahin konzentriere ich mich auf die erfolgreiche Durchführung der Termine hier in L.A.

Mein Kalender ist eng getaktet, es läuft aber alles wie am Schnürchen. Keine kleineren oder größeren Zwischenfälle. Ich bin die ersten Tage früh wach, der Jetlag hat mich voll erwischt. Ändern kann man es eh schlecht, dafür aber umso besser die gewonnene Zeit nutzen um die Vorgänge zu bearbeiten, die zwar aktuell sind aber nichts mit der Dienstreise zu tun haben. In den frühen Morgenstunden lässt es sich gut mit den Kollegen kommunizieren, da diese ja bereits seit ein paar Stunden im Büro sind. Außerdem nutze ich die Zeit dann auch gerne direkt, um mein Workout im Gym oder an der frischen Luft zu absolvieren.

#traindirty

Da ich unterwegs kein Box- oder CrossFit Training mache, fällt es mir manchmal etwas schwer mir ein Training fürs Gym einfallen zu lassen. Aus einer Sonderausgabe Women’s Health suche ich mir aus diesem Grund das Bikini Blast-Off Training aus, welches aus 2 Zirkeln a 3 Übungen mit jeweils 6 Durchgängen bestehen. 45 Sekunden pro Übung, 10 Sekunden Pause zwischen den Übungen, 1 Minute zwischen den Durchgängen. Es gibt ordentlich Übungen aus denen man auswählen kann und so entscheide ich mich für die folgenden: im ersten Zirkel absolviere ich Dumbbell Swings, Chest Press und Dumbbell Split Squats. Im zweiten Zirkel führe ich die Übungen Dumbbell Squat, Dumbbell Row und Overhead Press durch. Nach 10 Minuten auf dem Laufband zum Aufwärmen, komme ich dabei ganz gut ins Schwitzen. Ich absolviere das Training jeden 2. Tag und es macht echt Spass. Um die Durchgänge genau zu timen, nutze ich die App Seconds Pro. Mit Hilfe dieser App kann ich die Übungen, Intervalle und Pausen genau timen.

Ich denke, dass ich mit diesem Training einen guten Ausgleich zum Training zu Hause schaffe.

#eatclean

Im Anschluss ans Training gibt es dann mein bekanntes, healthy breakfast im Hotelzimmer. Frisch geduscht, gestärkt und munter kann der kalifornische Tag losgehen. Da ich weitestgehend mit der cleanen Ernährungsweise ins neue Jahr gestartet bin, möchte ich auch hier gerne am Ball bleiben und widerstehe den fetten Fastfood- Frohlockungen gekonnt. Ich nehme mir vor, nach Feierabend einige „healthy food“, „cleaneating“ Restaurants/Schnellrestaurants ausprobieren. Beim Veggiegrill lande ich gleich 2 Mal. Beim ersten Mal bestelle ich Blumenkohl (frittiert), mega lecker aber natürlich nicht ganz so clean wie ich es geplant hatte. Das nächste Mal probiere ich den Rote Beete, Ziegenkäse Salat mit Spinat und etwas Quinoa. Ein Traum. Bewusstes Essen hat auch in den Staaten seinen Preis, ist mir aber definiv lieber als den anderen Mist in mich hineinzustopfen, um dann eh nach 2 Stunden wieder Hunger zu haben.

Während meiner Tage in L.A. frühstücke ich bei Panera Bread  und gönne mir an einem Abend ein Steak (BIO Qualität; von glücklichen Tieren) mit grünem Spargel per Roomservice ins Hotelzimmer. Die anderen Tage komme ich mit Salat, Obst und meinen Frühstücksoats gut über die Runden. Ähnlich handhabe ich das dann auch in San Francisco bis zum Ende meiner Reise.

#walkingindamiensshoes

Die Süße der Fremde aufzusaugen ist für mich auf Dienstreisen neben dem Arbeiten, Trainieren und Essen das Wichtigste. Wie ich ja schon erwähnt habe, lasse ich mir grundsätzlich von jemandem aufschreiben, was er in seiner Stadt in 2-3 Stunden machen würde. In L.A. bin ich termintechnisch so straff durchgeplant, dass einfach gar keine Zeit ist, jemanden hiernach zu fragen. Also entscheide ich mich dazu, an meinem freien Nachmittag am Wochenende eine free Walking Tour zu buchen. Das ist zwar etwas weniger persönlich, verfehlt aber den Sinn, sich eine Stadt näher und aus der Perspektive von einem anderen Menschen anzusehen, nicht.   Ich buche bei Free LA Tour die 7th& Bunker Hill Tour. Treffpunkt ist ein Gebäude in downtown in der Nähe der 7th Street um 3:00pm. Ich bin pünktlich da und warte auf den Guide und den Rest der Gruppe. Gegen 2:50pm erscheint ein junger Mann, der eine Mappe mit der Aufschrift Free LA Tours unterm Arm hat. Damien, Gründer des ca. 2 Jahre alten Unternehmens, stellt sich vor und wir quatschen sehr nett, bis ein weiterer Gast eintrifft. Evan aus North Carolina. Da es wahrscheinlich nicht alle so penibel genau nehmen mit der Pünktlichkeit wie ich in diesem Fall, warten wir noch einige Minuten während wir uns schon einmal untereinander bekannt machen. 10 Personen sind angemeldet, erscheinen heute aber leider nicht. Ich kann so etwas nicht verstehen wenn ich ehrlich bin. Ist es wirklich zu viel verlangt, kurz telefonisch oder per Email abzusagen um allen Beteiligten die Enttäuschung und dem Guide die unnötige Zeit zu ersparen? Hintergrund hierzu ist nämlich, dass die Tour erst ab 4 Personen stattfindet. Gottseidank befinden wir uns aber nicht auf aussichtslosem Posten. Entscheiden sich die Gäste nämlich, den Guide im Voraus mit 15USD (die ich ja eh im Nachhinein als Tip gegeben hätte) zu zahlen, findet die Tour quasi als private Tour statt. Ich muss nicht lange überlegen, da ich dies in unserem Fall für eine durchaus erschwingliche Investion in meine Bildung und Freizeitgestaltung an einem sonnigen Nachmittag sehe. Evan ist dabei und somit machen wir uns zu dritt auf den Weg. Auf dieser Tour geht es um historische Gebäude und ihre Architektur, sowie die Entstehung und Geschichte von LA. Damien, der ursprünglich aus London stammt hat einen großartigen Blick auf die Dinge, ist gut vorbereitet und weiß eine Menge zu erzählen. Nach 2 ½ Stunden gefüllt mit viel spannendem Hintergrundwissen und einem völlig neuen Blick auf die Stadt muss ich zugeben, dass ich L.A. vorher nie so richtig eine Chance gegeben habe. Gut, dass ich das hier heute gemacht habe. Jedenfalls ist hier mächtig Umbruch am Stizzl und ich kann nur jedem empfehlen, sich die Zeit zu nehmen downtown einmal näher kennenzulernen. Angeblich hat LA die meisten historischen Häuser von allen amerikanischen Großstädten, wer hätte das gedacht.

Richtige Entscheidung also, die Tour trotzdem zu machen und umso besser , dass wir nur zu dritt waren. Alle Fragen sind gestellt und ich um einiges informierter. Ich kann also eine Tour bei Damien oder einem seiner Guides bei einem LA Besuch nur empfehlen (www.freeLAtours.com). Auf dem untenstehenden Bild findet ihr ein paar Imressionen.

7th&Bunker Hill TourDie Tour ist kostenlos aber es gehört zum guten Ton im Nachhinein ein angemessenes Trinkgeld zu geben, durchschnittlich sind das der Recherche nach bei dieser Tour 15USD.

#spoilyourself

Ich verlasse L.A. am Montagmorgen nach einem frühen Termin gegen 9:30. Die Route ist klar: Highway 101 bis Santa Barabara, von dort aus hoch bis nach Carmel auf der Route 1 entlang der Küste. Ab dort dann wieder zurück auf den Highway um zeitig in San Francisco anzukommen. Ein guter Plan – gesagt getan. In Santa Barbara verlasse ich den Highway um zu tanken und etwas zu Mittag zu essen. Ich entscheide mich für das South Coast Deli (1436 Chapala St, Santa Barbara, CA 93101, Vereinigte Staaten), ordere einen leckeren Kale Salat und mache mich auf den Weg weiter Richtung San Francisco. Wie es der Zufall will, lande ich irgendwie in Shell Beach, da mir ein Illy Kaffee Schild an einem süßen Cafe namens Seaside Cafe&Bakery (1327 Shell Beach Rd,Pismo Beach, CA 93449,Vereinigte Staaten) am Straßenrand auffällt.

Ich halte an, ordere den wohl geilsten Cafe Latte mit Cashew Milk und lerne Tim, den Besitzer kennen. Wir kommen ins quatschen und vernetzen uns direkt auf Facebook. So schnell kann‘s gehen. Tim schickt mich einmal um die Ecke, um am unteren Ende der Straße meine Mittagspause zu machen. Beladen mit Salat und Kaffee laufe ich runter zu den Klippen und verliebe mich auf der Stelle. Hier gehöre ich hin und nirgends anders. Genau jetzt und in diesem Moment. Ich, der Salat und der Kaffee. Das ist unser Moment. Ich finde eine Bank und genieße es, einfach nur dazusitzen. Der Wind bläst mir durchs Haar und ich sitze ganz still, um den Moment bloß nicht zu zerstören. Baycliff Village/Pismo Beach, the place to be. My place to be.

IMG_9989[1] Schweren Herzens trete ich die Weiterfahrt an, es liegen noch knapp 600km Fahrt vor mir. Die Landschaft zeigt sich wie gewohnt idyllisch und alles läuft gut. Kurz hinter Harmony entscheide ich mich spontan, die Route 1, die doch sehr bergig verläuft, zu verlassen um nach rechts durch die Gebirgskette zurück zum Highway zu gelangen.

Fatal. Spannend zumindest. Sagen wir ein kurzes Abenteuer. Mit halbvollem Tank sollte man schon wissen für welchen Höhenflug man sich entscheidet. Völlig überwältigt von dem Gedanken bald zügig auf dem Highway voranzukommen, vergesse ich völlig dass mir jemand vor der Abfahrt gesagt hat, dass es sich um ein ziemlich langes Stück Verbindungsstraße handelt. Ich fahre ca. 1 Stunde bergauf, ohne auch nur einem einzigen anderen Auto zu begegnen. Schön, aber auch etwas befremdlich. Die Tankanzeige bei dieser Steigung zeigt zunehmend weniger Reichweite an. Ich manövriere mein Flaggschiff schwitzend die Serpentinen hinauf und bete inständig, dass es bald wieder bergab geht. Beide Telefone haben keinen Empfang, es geht immer noch bergauf und es ist immer noch niemand zu sehen. Ich werde sterben, einsam im neuen Jeep am Straßenrand. Oder schlimmer noch von Bären gefressen, die gibt es hier nämlich ganz bestimmt. Zusammenreißen und darauf vertrauen, dass alles gut wird. Wie immer. Endlich geht es bergab und die Tankanzeige beginnt sich zu erholen. Nach 2 ½ Stunden hat der (Alb)Traum ein Ende und ich erreiche die Tankstelle. Im Nachhinein kann ich natürlich wie immer darüber lachen, muss aber eingestehen, dass ich unterwegs zwischendurch nicht ganz so flockig und entspannt war.

Der Rest der Fahrt verläuft ohne weitere Zwischenfälle. Gegen 21:00 abends erreiche ich endlich San Francisco. Die Fahrt an der Küste entlang ist einfach wunderschön, wenn man Zeit hat es auch zu genießen. Das nächste Mal werde ich dann doch fliegen, wenn ich geschäftlich hier bin.

In San Francisco bin ich nicht lange und habe viele Termine, leider. Aber egal ob beim Arbeiten oder Salat bestellen, die Leute sind einfach richtig gut drauf und hilfsbereit, laid-back und so herrlich unkompliziert. Hier bleibt mir nur zu sagen:

San Fran I love you. Eines Tages werden wir große Momente gemeinsam erleben.

IMG_0016[1] IMG_0010[1]

Wer etwas mehr zu San Francisco lesen möchte, hier ein Link zu einem wie ich finde sehr gelungenen Beitrag von Christian F. Hebbel : http://upgrademeblog.com/2014/02/wie-ich-san-francisco-erlebt-habe-und-warum-ich-die-mentalitat-der-einwohner-als-beispielhaft-finde/

Happy Landings!

“She is free in her wildness, she is a wanderess, a drop of free water. She knows nothing of borders and cares nothing for rules or customs. ‚Time‘ for her isn’t something to fight against. Her life flows clean, with passion, like fresh water.”

Roman Payne

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